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Ist eine Corona-Impfung fĂŒr unser Kind sinnvoll?


Bild: Fabian Sommer/dpa/dpa-tmn

Die Covid-19-Impfempfehlung fĂŒr gesunde Kinder ist gefallen. So einige Familien stehen nun vor der Überlegung: Wollen wir dennoch den Piks fĂŒrs Kind?

Auf die Frage, wie sinnvoll der fĂŒrs gesunde Kind sein kann, gibt es keine pauschale Antwort. Es ist eine AbwĂ€gungsfrage, bei der vor allem auch das GesprĂ€ch mit dem Kinderarzt oder der KinderĂ€rztin fĂŒr mehr Klarheit sorgen kann.

«Wenn man von der allgemeinen Impfempfehlung der Stiko abweicht, was man im Einzelfall durchaus tun kann - dann wird das immer eine individuelle Entscheidung sein, die auf vielen unterschiedlichen Faktoren beruht», sagt Prof. Reinhard Berner. Er ist Direktor der Klinik und Poliklinik fĂŒr Kinder- und Jugendmedizin des Uniklinikums Dresden.  

VerlÀufe unter Omikron fallen fast immer mild aus

Aber von vorn: Bei den Impfempfehlungen der Stiko steht eine Überlegung im Mittelpunkt: Wie groß ist der Nutzen, den der Piks hat? Schwere VerlĂ€ufe, Krankenhausaufenthalte, Intensivstation und Tod vermeiden - dafĂŒr ist die Impfung, so Berner, gemacht worden.

Seitdem sich die Omikron-Varianten durchgesetzt haben, hat sich der Nutzen der Impfung fĂŒr gesunde Kinder allerdings deutlich verringert.

Der Grund: «Kinder erkranken unter Omikron-Varianten nur selten schwer - noch seltener als unter den vorherigen Varianten», sagt Prof. Tobias Tenenbaum, Chefarzt der Klinik fĂŒr Kinder- und Jugendmedizin am Sana Klinikum Berlin-Lichtenberg und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft fĂŒr pĂ€diatrische Infektiologie.

Das zeigt sich zum Beispiel, wenn es um das EntzĂŒndungssyndrom PIMS geht. Nach Beobachtung von Tenenbaum kommt es unter Omikron bei Kindern so gut wie gar nicht mehr vor - anders als noch bei der Deltavariante. Was dazukommt: Viele Kinder haben bereits Kontakt mit dem Coronavirus gehabt und eine gewisse ImmunitĂ€t aufgebaut.

Übrigens: Dass die Stiko gesunden Kindern keine Impfung mehr empfiehlt, heißt nicht, dass sie aktiv von der Spritze abrĂ€t. Es bestĂŒnden «keine Sicherheitsbedenken bei der Impfung von gesunden Kindern und Jugendlichen», schreibt die Kommission.

Impfempfehlung fĂŒr Kinder mit schweren Vorerkrankungen

Aber wie lautet denn nun die neue Empfehlung der Stiko, wenn es um Kinder geht? Eine Covid-19-Impfung empfiehlt die Stiko Kindern ab sechs Monaten, die ein erhöhtes Risiko fĂŒr schwere Covid-19-VerlĂ€ufe haben.

Dazu zÀhlt ein Kind mit einer schweren neurologischen oder neuromuskulÀren Erkrankung, das im Rollstuhl sitzt. Oder ein Kind mit einer chronischen Erkrankung der Lunge oder der Nieren. Oder mit einer ImmunschwÀche, einem angeborenen Herzfehler oder einer Trisomie 21. In der aktuellen Impfempfehlung listet die Stiko auf, bei welchen Erkrankungen eine Impfung empfohlen wird.

«Von solchen Kindern wissen wir, dass sie bei Covid-19, aber eben auch bei der Influenza oder anderen Virusinfektionen ein hohes Risiko haben, ins Krankenhaus - oder gar auf die Intensivstation - zu mĂŒssen», sagt Berner. Eine Covid-19-Impfung kann dieses Risiko deutlich senken.

Laut Empfehlung der Stiko sollten Kinder mit solch schweren Erkrankungen eine Grundimmunisierung erhalten. Sie kann sich entweder aus drei Impfungen zusammensetzen oder aus zwei Impfungen und einer Corona-Infektion.

Anschließend rĂ€t die Stiko zu einer jĂ€hrlichen Auffrischungsimpfung. Sie sollte in einem Abstand von mindestens 12 Monaten zur letzten Infektion oder Impfung stattfinden, optimalerweise im Herbst.

Auch Eltern sollten Impfschutz prĂŒfen

FĂŒr Kinder mit schweren Grunderkrankungen ist eine Impfung also weiterhin wichtig. Und in solchen Familien kann es laut Tenenbaum durchaus sinnvoll sein, dass auch die Eltern ihren Impfschutz noch einmal prĂŒfen. Übrigens nicht nur gegen Corona, sondern zum Beispiel auch gegen Masern.

«Bei einem Kind mit einer schweren ImmunschwĂ€che im Rahmen einer Knochenmarktransplantation etwa, wirken Impfungen nicht gut», sagt Tenenbaum. Denn ihr Immunsystem spricht schlechter auf die Impfung an. SchĂŒtzt sich also das Umfeld möglichst gut, schĂŒtzt das am Ende auch das erkrankte Kind mit.

So bewertet es auch die Stiko: Die Impfempfehlung umfasst auch Familienangehörige und enge Kontaktpersonen von Menschen, bei denen durch eine Covid-19-Impfung «vermutlich keine schĂŒtzende Immunantwort erzielt werden kann». Auch ihnen rĂ€t die Stiko zu einer Grundimmunisierung und einem jĂ€hrlichen Piks zur Auffrischung.

Was bei leichteren Erkrankungen gilt

Aber was gilt fĂŒr das Kind, das ein leichtes Asthma hat oder eine Neurodermitis? FĂŒr die Stiko, so Berners EinschĂ€tzung, zĂ€hlen sie zu den gesunden Kindern.

«Ein Kind, das eine normale Teilhabe am Leben hat, das sich ganz normal körperlich beim Sportunterricht oder im Sportverein belasten kann - ein solches Kind hat kein Risiko, eine schwere Covid-19-Infektion zu erleiden», sagt er. Damit falle es nicht unter die Indikation der Stiko.

Die Hoffnung, einen Infekt zu ersparen

Auch wenn erst mal der Sommer ansteht - schon jetzt rechnen einige Eltern damit, dass in Herbst und Winter wieder zahlreiche Krankheitserreger in den Kitas und Schulen umhergehen. WĂ€re die Impfung nicht ein Weg, dem Kind wenigstens einen Infekt zu ersparen?

«Das ist ein verstĂ€ndlicher Gedanke», sagt Berner. Aber er blickt nicht ganz ohne Skepsis darauf. Denn es gebe viele, viele Viren, die sich der Nachwuchs in der Kita auflesen könnte. «Die Frage ist: WĂ€re es ĂŒberhaupt sinnvoll, gezielt zu versuchen, eine einzelne Infektion zu verhindern, die noch nicht einmal einen schweren Verlauf macht?», sagt er. «Oder ist es nicht viel sinnvoller, dass sich - wie bei vielen anderen Atemwegsinfektionen auch - eine natĂŒrliche ImmunitĂ€t aufbauen kann?»

Denn seiner EinschÀtzung nach ordnet sich das Coronavirus nun ein in die «unendliche Vielfalt der unterschiedlichen Atemwegsviren, die es jeden Winter gibt».

Dazu kommt: Dass sich das Kind eine Corona-Infektion mit Husten, Schnupfen und Fieber zuzieht und ein paar Tage zu Hause bleiben muss - davor schĂŒtzt die Impfung laut Berner nicht zuverlĂ€ssig. Eltern sollten an den Piks daher besser nicht die Hoffnung heften, ihrem Kind einen Infekt ersparen zu können.

Fremdschutz kann eine Überlegung sein

Bei der Überlegung, ob Eltern ihr gesundes Kind impfen, geht es aber vielleicht nicht allein um den Nachwuchs. Vielleicht steht bei dem Großvater bald eine Krebstherapie an, die das Immunsystem enorm schwĂ€chen wird. Auch hier greift die Empfehlung der Stiko, dass enge Angehörige von Immunsupprimierten einen ausreichenden Impfschutz haben sollten. Das können auch Kinder oder Jugendliche sein.

Eltern sollten laut Tenenbaum aber wissen, dass auch ein geimpftes Kind wie auch die geimpften Eltern sich infizieren und damit andere anstecken können. Das Risiko lÀsst sich zwar durch die Impfung senken - vermeiden lÀsst es sich aber nicht.

Impfung im Herbst oder zu Winterbeginn

Wenn sich Familien fĂŒr den Piks fĂŒrs Kind entscheiden - wann sollte er am besten stattfinden? Die Stiko empfiehlt den Piks vorzugsweise im Herbst.

Impft man am Anfang des Winters, «dann wĂ€re ein gewisser Schutz ĂŒber die ersten Wintermonate zu erwarten», sagt Berner. Er schrĂ€nkt allerdings ein: «Aber vielleicht ist es gerade im nĂ€chsten Winter so, dass Corona erst im MĂ€rz oder April seinen Höhepunkt hat? GrundsĂ€tzlich gilt trotzdem: Man wĂŒrde Ă€hnlich wie bei der Influenza-Impfung empfehlen, zu Beginn der Wintersaison zu impfen.»


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(25.05.2023)


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