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Engpass bei Diabetesmittel durch Off-Label-Nutzung


Bild: Chris Radburn/PA Wire/dpa

Weil ein verschreibungspflichtiges Diabetesmedikament vermehrt als Abnehmhilfe genutzt wird, gerĂ€t die Versorgung damit ins Stocken. «Aktuell haben wir einen Lieferengpass bei einem Diabetesmedikament, bei Semaglutiden, weil man gemerkt hat, das kann man auch zum Abnehmen nutzen», sagte David Francas, Professor fĂŒr Daten- und Lieferkettenanalyse an der Hochschule Worms. «Das wird gehypt und plötzlich hat man einen Off-Label-Use fĂŒr das Medikament, der auch die Nachfrage treiben kann.»

Bei einem Off-Label-Use (auf Deutsch in etwa: andere Verwendung als auf dem Etikett) wird ein Arzneimittel gegen eine Krankheit eingesetzt, fĂŒr die es von den Zulassungsbehörden keine Genehmigung hat.

Gedacht fĂŒr Menschen mit Adipositas

Semaglutid ist in Europa seit 2018 als Diabetes-Medikament «Ozempic» zugelassen, um den Blutzuckerspiegel zu senken. Neuer, von Anfang 2022, ist eine Zulassung in der EU speziell mit dem Einsatzgebiet Gewichtsverlust und -kontrolle (Markenname «Wegovy»): Gedacht ist es fĂŒr Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) ab 30, also Adipositas, und fĂŒr Übergewichtige (BMI ab 27) mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung.

«Wegovy» ist in Deutschland bisher aber gar nicht erhĂ€ltlich, wie der Hersteller Novo Nordisk Pharma auf Anfrage bestĂ€tigte. Offenbar wird Abnehmwilligen von Ärzten stattdessen gern mal das Diabetesmedikament «Ozempic» verschrieben. «Es geht nicht an, dass ich ein Anti-Diabetikum verschreibe off-label fĂŒr jemanden, der abnehmen möchte. Das ist ein Unding, da hab ich doch auch eine Verantwortung als Verschreiber», kritisierte Torsten Hoppe-Tichy, Leiter der Apotheke des UniversitĂ€tsklinikums Heidelberg, diese Nutzung.

Semaglutid wurde in den vergangenen Monaten in sozialen Netzwerken gehypt, auch weil einige Promis so abgenommen haben sollen. So erwĂ€hnte Tech-MilliardĂ€r Elon Musk auf die Frage nach dem Geheimnis seines Aussehens neben dem Fasten den Namen der Arznei. Ärzte berichten von verstĂ€rkten Nachfragen von Patienten nach dem Mittel.

In einer Studie verloren Patienten, die begleitend zu LebensstilĂ€nderungen eine Dosis Semaglutid pro Woche erhielten, im Schnitt nach 68 Wochen etwa 15 Prozent Gewicht. Eine Vergleichsgruppe, die ein Scheinmedikament bekam, nahm im gleichen Zeitraum nur gut zwei Prozent ab, wie es im «New England Journal of Medicine» hieß.

Experten warnen vor Nebenwirkungen

Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Endokrinologie (DGE) warnte schon Ende 2022 vor Risiken und Nebenwirkungen und «einer von den Zulassungsbehörden nicht freigegebenen, unkontrollierten Anwendung». Eines der Probleme sei, dass eine Lifestyle-Anwendung nicht untersucht sei, hatte DGE-Sprecher Stephan Petersenn erklĂ€rt. «Es ist unklar, ob ein ĂŒbergewichtiger Patient, der aber nicht adipös ist, ĂŒberhaupt Gewicht verliert.» Auch Nebenwirkungen wie Übelkeit und Durchfall seien möglich. Generell solle die Anwendung eingebettet sein in ein Gesamt-Therapiekonzept mit ErnĂ€hrung und Sport unter Ă€rztlicher Überwachung.


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(26.05.2023)


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