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Nach Schlotterbecks WM-Aus: 5 Fragen zu BĂ€nderrissen


Bild: Christin Klose/dpa-tmn

Beim Laufen auf unebenem Boden wie Kopfsteinpflaster oder beim Zweikampf auf dem Rasen des WM-Stadions: Das sind nur zwei Situationen von vielen, in denen man böse umknicken kann. 

Schießt dann ein enormer Schmerz in das Sprunggelenk, der Gehen (fast) unmöglich macht, haben die BĂ€nder wahrscheinlich Schaden genommen, sind vielleicht sogar gerissen. 

Das ist Verteidiger Nico Schlotterbeck beim zweiten WM-Spiel der deutschen National-Elf passiert. FĂŒnf Fragen und Antworten ĂŒber BĂ€nderrisse. 

1. Was passiert bei einem BÀnderriss im Sprunggelenk? 

Beim Begriff BĂ€nder dĂŒrften viele das Bild eines elastischen Gummibandes im Kopf haben. TatsĂ€chlich lassen sich die BĂ€nder in unserem Sprunggelenk aber eher mit den Speichen eines Fahrrads vergleichen. Ihre Aufgabe ist, die einzelnen Knochen des Sprunggelenks zusammenzuhalten und zu stabilisieren. Knickt der Fuß um, können die BĂ€nder ĂŒberdehnen, anreißen oder sogar komplett reißen. 

«Je nachdem, in welche Richtung man den Fuß verdreht, reißen entweder BĂ€nder auf der Innenseite, auf der Außenseite oder die Bandverbindungen zwischen Schienbein und Wadenbein, Syndesmose genannt», erklĂ€rt Markus Walther, Chefarzt des Fachzentrums fĂŒr Fuß- und Sprunggelenkchirurgie an der Schön Klinik MĂŒnchen Harlaching. 

Mit Abstand am hĂ€ufigsten kommt dabei eine Verletzung der AußenbĂ€nder vor. Denn: «FĂŒr eine Verletzung des Innenbands wie bei Schlotterbeck braucht es eine gewisse Rotationsbewegung, wie sie bei dem Foul passiert ist», so der Mediziner. 

2. Was mache ich, wenn ich umgeknickt bin und es wehtut? 

Ein BÀnderriss macht sich durch Schmerzen und eine Schwellung bemerkbar - wie andere Verletzungen auch. «Was genau kaputtgegangen ist, kann man erst mal nicht rauslesen», sagt Markus Walther.

Der Rat bei (Sport-)Verletzungen ist aber immer gleich: Wichtig ist jetzt, das Gelenk nicht zu belasten, sondern es hochzulagern. Gegen die Schwellung kann eine moderate, kontrollierte KĂŒhlung helfen, so der Mediziner, «aber kein Eisspray und generell auch kein Eis direkt auf die Haut.» Besser: ein KĂŒhlpack in ein Tuch einwickeln. Teil der Soforthilfe ist auch ein Kompressionsverband. 

Dann wichtig: die Verletzung Ă€rztlich abklĂ€ren lassen. Ärztinnen und Ärzte kennen verschiedene Schmerzpunkte, um eine erste Idee davon zu bekommen, ob die BĂ€nder verletzt sind - oder ob es doch der Knochen ist. 

Gewissheit ĂŒber den Zustand der BĂ€nder können aber nur bildgebende Verfahren liefern. «Von außen kann man nicht sagen, ob 20 oder 50 Prozent des Bandes abgerissen sind. Ein MRT oder ein guter Ultraschall zeigen dann zuverlĂ€ssig das Ausmaß der Verletzung», sagt Markus Walther. Das ist die Grundlage, um zu entscheiden, wie die Verletzung am besten behandelt wird. 

3. Wie werden BÀnderrisse behandelt? 

Es kommt darauf an, was genau kaputtgegangen ist. «Außenbandverletzungen sind in vielen FĂ€llen gut konservativ behandelbar, etwa mit Bandagen und Tape-VerbĂ€nden», sagt der OrthopĂ€de. Betroffene können den Fuß auch relativ schnell wieder belasten. Denn der große Vorteil ist hier: «Beim normalen Auftreten wird das Außenband nicht belastet.» 

Beim Innenband ist das anders. Daher muss das Sprunggelenk bei so einer Verletzung mehr geschĂŒtzt werden. «Da kommt typischerweise ein Kunststoffstiefel zum Einsatz, damit keine Belastung auf das Band kommt», erklĂ€rt Markus Walther. Ist das Innenband komplett abgerissen, fĂŒhrt an einer Operation oft kein Weg vorbei. 

4. Wann ist Sport nach einem BÀnderriss wieder möglich? 

Ohne Geduld geht's nicht. Schon jetzt zeichnet sich ab: Nico Schlotterbecks Verletzungspause wird sich bis in die nĂ€chste Bundesligasaison erstrecken. «Bei einer Innenbandverletzung sind wir hĂ€ufig bei einer GrĂ¶ĂŸenordnung von drei Monaten, bis Sport wieder möglich ist», sagt Markus Walther. Das gilt fĂŒr Leistungs- wie fĂŒr Hobbysportler gleichermaßen. 

Geht es um das Außenband, kann es deutlich schneller gehen, hier kann es nach vier bis acht Wochen wieder losgehen mit Sport. «Bei einem Außenband brauche ich nicht immer die hundertprozentig abgeschlossene Heilung. Was das Band nicht leistet, kann man gut ĂŒber Tapes ausgleichen.»

5. Was kann ich tun, um das Risiko fĂŒr BĂ€nderrisse zu senken? 

Wer eine gute Koordination hat, senkt das Risiko, dass er oder sie unglĂŒcklich umknickt. Die gute Nachricht: Das kann jeder im Alltag trainieren. Und zwar, ohne dafĂŒr Zeit freischaufeln zu mĂŒssen. 

«Stellen sie sich beim ZĂ€hneputzen auf ein Bein und wechseln Sie nach einer Minute», rĂ€t Markus Walther. «Und wenn das gut klappt, stellen Sie sich auf die Zehenspitzen dabei.» Wer es sich noch schwerer machen kann, fĂŒhrt die Übung auf einer weichen Sportmatte durch. 

FĂŒr jedes Level gilt: «Wenn man die Übung zwei, drei Wochen lang durchzieht, merkt man, dass man besser wird.»


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(23.06.2026)


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